Château Le Puy – der etwas andere Bordeaux-Wein

Pferde beim Pflügen auf Château Le Puy

Im Frühjahr 2019 hatte ich die Gelegenheit, Château Le Puy (Côtes de Francs) besuchen zu können. Ich befand mich gerade auf meiner mehrtägigen Rundreise durch die weniger bekannten Appellationen rund um Saint-Émilion (Lussac, Montagne, Puisseguin, St.-Georges und Côtes de Francs) – eine Entdeckungstour, die ich jedem empfehlen kann, der an Weinen abseits der ausgetretenen Pfade interessiert ist (vgl. meine Verkostungsnotiz zu Château Clarisse ).

Ich hatte zuvor nur wenige Artikel über das Château in der internationalen Weinpresse finden können*, und auch die Bewertungen für die verschiedenen Weine dieses Gutes im Bordeaux-Kompass nehmen sich in quantitativer Hinsicht recht bescheiden aus.

Auf Château Le Puy

Ich hatte das Glück, dass Château Le Puy in unmittelbarer Nähe meiner Unterkunft in Puisseguin lag (Les Secrets de Tifayne – liegt zwar etwas abseits, aber sehr zu empfehlen; die Grenze zur Appellation Cotes de Francs ist wenige hundert Meter entfernt.). Nach wenigen Minuten hatte ich mein Ziel zum vereinbarten Zeitpunkt erreicht. Mit mir hatte sich eine kleine Gruppe von fünf weiteren interessierten Personen eingefunden.

Der Empfang auf diesem seit 15 Generationen im Besitz der Familie Amoreau befindlichen Château war äußerst herzlich. Nach einer kurzen Einführung ging es raus ins Gelände. Zuvor gab es für jeden von uns ein paar passende Stiefel.

Ich hatte das Gefühl, an einem besonderen Ort zu sein. Prähistorische Zeugnisse in unmittelbarer Nähe, Abgeschiedenheit, Ruhe und Menschen, die mit Respekt darum bemüht waren, im Einklang mit der Natur Wein zu produzieren.

Der Gang durch den Gärkeller und die Fasslager bestärkte diesen Eindruck: wenig High Tech, wenig blitzender und blinkender Edelstahl, keine auf Eindruck gestylten Lagerkeller mit Skulpturen und dezenter Hintergrundbeleuchtung, sondern überall wohltuende Bodenständigkeit, wenig Neuholz, sondern »Fässer mit Erfahrung«, wie unsere charmante Gastgeberin schmunzelnd bemerkte. Ich war gespannt auf die Weine, die zur Verkostung angeboten werden sollten.

Die Verkostung

Es waren die Cuvées Barthélemy 2011 und Émilien 2016**. Barthélemy ist die Top-Cuvée und kommt von einer bestimmten Parzelle namens Les Rocs. Die Ernte erfolgt streng selektiv, nur absolut gesunde Trauben werden weiterverarbeitet. Der Rebsortensatz ist in der Regel 85 Prozent Merlot und 15 Prozent Cabernet Sauvignon. Der Ausbau erfolgt behutsam in Eichenfässern ohne Schwefelung und sonstige Additive und unter Berücksichtigung der Mondphasen für die Dauer von 24 Monaten. Der Wein wird ohne Filtration auf Flaschen gefüllt. Als biodynamisch arbeitendes Weingut sind die Weine von Demeter zertifiziert.

Die Cuvée Émilien umfasst nahezu den gesamten in Bordeaux zulässigen Rebsortensatz für Rotweine: 85 Prozent Merlot, 7 Prozent Cabernet Franc, 6 Prozent Cabernet Sauvion und jeweils 1 Prozent Malbec und Carmenère (es fehlt lediglich Petit Verdot). Der Ausbau erfolgt ebenfalls in Eichenfässern für die Dauer von 24 Monaten. Die Abfüllung auf Flaschen erfolgt ohne vorherige Filtration.

Ich muss leider gestehen, dass mir der Barthélemy wenig zugesagt hat. Er wirkte verschlossen und nicht zugänglich. Wahrscheinlich hätte Dekantieren und etwas Belüftung dem Wein gut getan.

Ganz anders der Émilien. Der Wein war einfach großartig. Intensives Granatrot, schwarze Früchte in der Nase, seidige Textur und reife Tannine, nicht vordergründig, sondern ausgewogen, ohne langweilig zu sein, ganz im Gegenteil. Der Wein hatte Eleganz und Kraft. Er erschien mir als der Gegenentwurf zu vielen roten Bordeaux, die alkoholreich, frucht- und körperbetont eine breite Anhängerschaft haben.

Dieser Eindruck hat sich wenig später bestätigt. Am übernächsten Tag haben zwei Freunde und ich bei einem gemeinsamen Abendessen in Bordeaux den 2016er Émilien im Vergleich zum 2016er Roc de Cambes (Côtes de Bourg) und 2016er Château Clarisse (Puisseguin) getrunken. Die beiden letztgenannten Wein waren für sich genommen beeindruckend. Sie reichten aber nicht an die Eleganz des 2016er Émilien heran, der der ungleich bessere Essensbegleiter war. Es ist – wie so oft – keine Frage von gut oder weniger gut, sondern eher eine der Stilistik.

Weitere Rot-, Weiß- und Rosé-Weine

Auf Château Le Puy werden neben den beiden Cuvées Barthélemy und Émilien noch weitere Rot-, Weiß- und Rosé-Weine produziert:

  • Retour des Îles: »Die Reise beginnt für die Barriques ‚de retour des Îles‘ mit dem Verschiffen in der Stadt Douarnenez in der Bretagne. Nach einer langen Reise Richtung Süden entlang der spanischen Küste, erreichen sie ihr erstes Ziel, den Hafen von Lissabon. Nun folgt die nächste Etappe nach Kap Verde und von hier aus über den Atlantischen Ozean. Nach einem kurzen Aufenthalt in Belem, Brasilien, fahren die Barriques weiter Richtung Norden, zu den Karibischen Inseln, vorbei an Barbados und der Dominikanischen Republik. Sie verlassen die warmen Gewässer um sich auf den Weg zu den Azoren und damit, zurück nach Europa, zu machen. Angekommen in Falmouth im Vereinigten Königreich könnte nun die Reise ihr Ende finden, aber begeistert, noch mehr von der Welt zu entdecken, geht es weiter in das Nordmeer Richtung Amsterdam und Kopenhagen. Aufgeladen mit frischer Seeluft und schönen Landschaften, landen sie schließlich wieder im Hafen von Douarnenez. Ein Jahr später wird der Wein ‚de retour des îles‘ pünktlich zu den Weihnachtsfeiertagen in den Verkauf kommen.« (Es handelt sich hierbei um die wörtliche Übernahme der Beschreibung dieses Rotweins auf der Website des Château.)
  • Blaise-Albert: Bei diesem Rotwein handelt es sich um eine Assemblage verschiedener Jahrgänge. Die Trauben stammen von einigen ausgewählten Rebstöcken aus der Parzelle »Les Rocs«. Der Ausbau erfolgt über einen Zeitraum von 11 Jahren unter Beachtung der Mondphasen. Der Wein wird ausschließlich in Literflaschen abgefüllt, ist äußerst selten zu bekommen und kostet ein kleines Vermögen (ca. 2000 € pro Flasche).
  • Marie-Cécile ist ein trockener Weißwein, der zu 100 Prozent aus Sémillon besteht.
  • Marie-Elisa ist ein aufwendig produzierter Süßwein aus Sémillon-Trauben, der zwei bis drei Jahre in ausgesuchten Fässern ausgebaut und ohne Zusatz von Schwefel ungefiltert abgefüllt wird.
  • Rose-Marie ist der Roséwein des Château. Er wird bei der Rotweinherstellung aus dem Gärbehälter abgezogen, in Eichenfässer 6 bis 10 Monate ausgebaut, ungefiltert und ohne Zusatz von Schwefel abgefüllt.

Socken zum Abschied und eine eigene Appellation

Die Verabschiedung hatte ebenfalls etwas Besonderes: zum einen durften wir anhand mehrerer Entwürfe darüber abstimmen, wie das zukünftige Etikett von Château Le Puy aussehen soll, und zum zweiten gab es als kleines Abschiedsgeschenk ein paar weiße Socken mit dem eingestickten Le-Puy-Emblem.

Noch eine kleine Randnotiz zum Abschluss: Die Familie Amoreau bemüht sich aufgrund der Besonderheit des Weingutes und seiner langen Geschichte seit Jahren darum, Château Le Puy aus der Appellation Francs Côtes de Bordeaux herauszulösen und als eigenständige Appellation zu etablieren. Vergleichbares ist bei Nicolas Joly und La Coulée de Serrant an der Loire der Fall. La Coulée de Serrant ist sowohl die Bezeichnung für einen gerade mal 7 ha großen Weinberg, auf dem ein großer Weißwein entsteht, als auch der Name einer eigenständigen Appellation.

Château Le Puy – der etwas andere Bordeaux-Wein 7
Neben einigen Normalflaschen habe ich diese Magnum auf dem Château erstanden. Sie ist zur Feier eines runden Geburtstages in einigen Jahren vorgesehen.

* Lediglich kürzere Beiträge von Jane Anson im Decanter vom 2.11.2017 und von Pierre Citerne in La Revue du Vin de France über eine Verkostung von 37 Weinen dieses Château aus den letzten 100 Jahren, und umfangreiche Verkostungsnotizen zu diesem Ereignis von Jeannie Cho Lee, einer im asiatischen Raum bekannten Weinkritikerin, waren die überschaubare Rechercheausbeute.

** Bezugsadressen für die Weine von Château Le Puy in Deutschland: u.a. Pinard de Picard, Vinocentral, Wagners Weinshop