Château Gloria: der verhinderte Cru Classé

Büroschild der Domaines Martin

Seit dem Jahrgang 2000 hat Château Gloria i.d.R. sehr gute bis ausgezeichnete Weine gemacht. Die Jahrgänge 2009 und 2010 ragen dabei besonders hervor. Das Château verfügt über ca. 50 ha, die in mehreren Blöcken über die Appellation Saint-Julien verstreut sind. 9 ha davon liegen auf dem Gebiet der Appellation Pauillac. Sie dürfen aber nach den manchmal schwer nachvollziehbaren Appellationsrichtlinien der Appellation Saint-Julien nicht zugerechnet werden. Die Rebsorten-Zusammensetzung wird dominiert von Cabernet Sauvignon (65 %), gefolgt von Merlot (25 %) und zu gleichen Teilen (jeweils 5 %) von Cabernet Franc und Petit Verdot. Das Durchschnittsalter der Rebstöcke beträgt ca. 40 Jahre. Die Ernte erfolgt von Hand. Nach einer nach traditionellen Methoden durchgeführten Vinifikation wird der Wein ca. 14 Monate in Barriques ausgebaut. Der Neuholzanteil liegt im Durchschnitt bei 40 %. 

Die Entstehung von Château Gloria

Die Entstehung von Château Gloria ist eng mit dem Namen eines Mannes verbunden – Henri Martin (1903-1991). Dessen Familie war seit Generationen mit dem Weinbau verbunden. Sein Großvater war Kellermeister auf Château Gruaud Larose, sein Vater Küfer auf Château Saint-Pierre. Er selbst wurde auf Gruaud Larose geboren. Seit den 40er Jahren begann Henri Martin, sukzessive Parzellen in Saint-Julien zu kaufen. Das Besondere dabei war, dass die jeweiligen Parzellen ausschließlich von klassifizierten Weingütern stammten. Sein Ziel war es, mit der Zeit ein Weingut zu schaffen, das den in der berühmten Médoc-Klassifikation von 1855 aufgeführten Châteaux ebenbürtig sein würde. Allerdings dürfte Henri Martin das Beharrungsvermögen derjenigen unterschätzt haben, die an der Unabänderlichkeit der 1855er Klassifikation festhalten wollten. Bekanntlich gab es in der mehr als 150-jährigen Geschichte der Klassifikation eine einzige Änderung: die Erhebung von Château Mouton Rothschild in den Rang eines Premier Cru Classé im Jahr 1973.

Château Gloria »neuklassifiziert«

Henri Martin wurde schließlich doch Besitzer eines Grand Cru Classé, als er in den frühen 80er Jahren Château Saint-Pierre erwarb und das bis zu diesem Zeitpunkt geteilte Weingut wiedervereinte. In der Klassifikation von 1855 war Château Saint-Pierre als 4ième Cru Classé eingestuft worden. Eine späte Bestätigung hat Henri Martin durch die Neuklassifizierungen des Preisportals Liv|EX erfahren. Wie bei der Klassifikation von 1855 werden bei den alle zwei Jahre vorgenommenen Neuklassifizierungen die Preise zugrundegelegt, zu denen die verschiedenen Châteaux des Médoc auf den Märkten gehandelt werden. Danach wurde Château Gloria 2015 als fünftklassifiziertes Gut eingestuft, 2017 sogar einen Rang höher platziert.

Château Gloria gehört neben Ch. Saint-PierreCh. Haut-Beychevelle GloriaCh. Pey-Martin (alle Saint-Julien) sowie Ch. Bel Air (Haut-Médoc) zu den Domaines Martin. Henri Martins Tochter Françoise und deren Ehemann Jean-Louis Triaud, der zudem lange Jahre Präsident des Fußballvereins Girondins Bordeaux war, leiten heute das Unternehmen.

Verkostungsnotizen


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